Rundbrief November 2004
Fernandez, den 28.1l .2004
Liebe Freunde und Förderer!
Dieses Jahr ist wieder wie im Flug vergangen und seit unserem letzten Rundbrief hat sich einiges ereignet und viele der Probleme, die durch die Entlassung des Direktors und dessen Denunzierung entstanden, haben sich gelöst. Eine Intervention der Kontrollbehörde mit gemeinnützigen Vereinigungen fand nicht statt, da wir alle Bilanzen bis 2003 fertig hatten. Die letzten vier Bilanzen müssen noch einer Hauptversammlung der Stiftung vorgelegt und genehmigt werden. Falls wir es zeitlich schaffen, wollen wir diese noch vor meiner Abreise nach Deutschland abhalten.
Das Schuljahr geht allmählich zu Ende. Meine Frau versucht als ehrenamtliche Direktorin die Meister und Mitarbeiter dazu anzuleiten, Planungen für den Unterricht und dessen Inhalte wöchentlich vorzulegen und die Berichte über die Durchführung in den einzelnen Fächern abzugeben, was vor geraumer Zeit noch nicht kontrolliert wurde. Einige Lehrer haben keine ausreichende pädagogische Vorbildung, so dass meine Frau ihnen helfen muss, eine Unterrichtsplanung aufzustellen.
Für die Betreuung der Lehrlinge in den Herbergen fanden wir in Eduardo Viani einen zuverlässigen Helfer, der dafür sorgt, dass es mit dem Essen und der Ordnung in den Herbergen einigermaßen gut abläuft. Er musste das Haus, das er in Fernandez mietete, verlassen, da es verkauft wurde. Nun wohnt er mit Frau und kleinem Sohn in einem Zimmer einer Herberge, damit er auch bei Nacht nach dem Rechten sehen kann. Er kümmert sich ebenfalls um nötige Reparaturen bei Paneelen, Reglern und Convertern und versteht sehr viel von Elektronik und Computern, so dass er den Lehrlingen auch davon etwas beibringen will. Daniel Condori, der Elektrolehrer, wohnt ebenfalls in einem Teil einer Herberge mit Frau und 3 Kindern, so dass die Häuser gut belegt sind. Zum Glück haben wir die 3 Räume des Gästehauses und das runde Badehaus für alle Zivis und freiwilligen Helfern fertig bauen können. Für die anderen 3 Zimmer im 6-Eck-Stil fehlen noch die Rundkuppeln, da uns die 20 000 versprochenen Backsteine nicht geliefert werden. Nach langem Warten bekamen wir die fehlenden Flachziegel für das Dach des großen Saales, damit es bald fertig gestellt werden kann. Unser Imkerhaus ist nun nach allen Vorschriften fertig gebaut worden, aber der Inspektor der SENASA (Tiergesundheitsbehörde) kommt nicht, um den Bau zu genehmigen. Von dieser Genehmigung hängt die Erlaubnis zum Honigexport ab, welche uns beim letzten Mal Probleme machte. Hier lernt man vor allem Geduld und die Bedeutung des Wortes "manana" (morgen).
Im Juli fand der Wechsel der beiden jungen Männer, die bei uns den "Anderen Dienst im Ausland" anstelle des Zivildienstes machen, statt. Titus und Andreas, die Zivis aus dem Vorjahr, vergessen ihre Zeit hier nicht, und setzen sich in Deutschland noch sehr für unser Projekt ein. Auch die anderen Helfer/innen erinnern sich gerne an diese soziale Lernzeit zurück und schreiben uns regelmäßig emails, in denen sie ihre Verbundenheit ausdrücken. Sie sind weiterhin aktiv im Verkauf von Schmuck und demnächst auch von Honig. Hier lernten sie, wie die meisten Menschen in Argentinien, mit weniger Luxus glücklich zu sein. Sonja, eine ehemalige Freiwillige, schrieb uns, dass sie hier in Fernandez die wichtige Erfahrung machte, sich für andere im Leben einzusetzen.
Euch allen, die uns dabei geholfen haben mit Vertrauen und Hilfe, sei nochmals ein herzliches Vergelt's Gott gesagt. Nun wünsche ich Euch allen eine stille und gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest sowie ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2005. In der Hoffnung viele von Euch bald sehen und sprechen zu können, grüße ich Euch von ganzen Herzen und sage hasta pronto! Bis bald!
Euer Sepp

Im Anschluss an den Rundbrief von José wollen wir, zwei Zivieldienstleistende, die hier den "Anderen Dienst im Ausland" absolvieren, Ihnen einen ersten Einblick über unseren Aufenthalt liefern.
Wir sind Oliver Bones (Berlin) und Stephan Stutterheim (Lindau), beide 21 Jahre alt und seit Juli bzw. August 2004 auf der Fundacion tätig. Nach unserer Ankunft haben wir uns erst einmal mit der fremden Kultur und Sprache auseinander setzen müssen, wobei die Fundacion bei der Integration eine enorme Unterstützung war. Durch diese intensive Eingewöhnung standen wir der Fundacion schnell als Helfer zur Verfügung.
Unsere Hauptaufgabe besteht in der Kultivierung und Erweiterung des ökologischen Feldanbaus, die den gesamten Prozess von der Vorbereitung der Erde, der Saat, der Pflege bis hin zur Ernte der Früchte komplett beinhaltet. Außerdem wurde auf dieser Fläche ein Zaun angelegt und das Gießsystem neu überdacht und verlegt. Diese Aufgabe nimmt viel Mühe und Zeit in Anspruch, ermöglicht uns aber auch den engeren Kontakt zu den Schülern der Fundacion, die uns bei diesen Arbeiten unterstützen. Dadurch entsteht ein gegenseitiger Lernvorgang und Kulturaustausch, den wir auch nach der Arbeit z B. mit Kochen einheimischen Essens, wie dem Grillfest Asado, fortsetzen.
Die ökologische Lebensart auf der Fundacion setzen wir aktuell mit dem Bau eines Permakulturgewächshauses um. Hierfür werden Bodenverbesserungen mit Hilfe von natürlichen Prozessen durchgeführt. Zuerst wird der salzige Boden abgetragen und durch eine Mischung aus organischen Materialien, Tierdünger und speziell gezüchteter Wurmerde zur optimalen Fruchtbarkeit verändert. Diese Wurmerde züchten wir in einem seperaten Bereich, der ebenfalls in unserer Obhut steht. Darüber hinaus wird die Baumschule von uns erweitert und gepflegt, d.h. sämtliche Prozesse, wie bei dem ökologischen Feldanbau, werden mit den Samen (z. B. Obstbäume) durchgeführt.
Des weiteren unterstützen wir die Schüler bei den Installationen der Solarsysteme bei Familien und Schulen. Hierbei lernen wir vor allem, dass nicht das "reine" Geschäft im Vordergrund der Fundacion steht, sondern die ökologisch-sozialen Aspekte bei der Nutzung alternativer Energiequellen in Argentinien.